Samstag, 7. Februar 2026

Nicht alle Gastwirte sind Verbrecher

 Was war das nicht für ein Aufschrei, als den Wirten gesetzlich Registrierkassen verordnet wurden. Man unterstelle ihnen pauschal Steuerhinterziehung, dabei sind sie doch grundehrliche Menschen. Ja, die Gastwirte sahen sich förmlich als Märtyrer des gierigen Staates.

Und nun nach etlichen Jahren der Registrierkassenpflicht der große Skandal. Da gab es doch tatsächlich Gastronomiebetriebe, die manipulierte Kassen verwendeten und somit den Staat um Steuereinnahmen betrogen. Also wer hätte das gedacht! Staatsbetrüger! Bei uns in Österreich. Wo bereits ein Ex-Innenminister wegen Korruption und ein Ex-Finanzminister wegen Betrugs im Gefängnis landeten, da soll Kollision mit dem StGB normal sein?

 Ja, schon, und die Gastro ist eine besonders anfällige Sparte. Nicht nur, dass die Angestellten meist unterbezahlt und ausgebeutet werden, es wird auch keine Gelegenheit ausgelassen das Finanzamt zu bescheißen.

Mein Wissen beziehe ich aus der Zeit zwischen 1991 und 2002. In dieser Zeit machte ich nebenberuflich für zwei Wirte, einer in Meidling, der andere im Weinviertel, die Buchhaltung. Das war durchaus abenteuerlich. Während der Weinviertler am Monatsende jeweils einen Stehkalender hernahm und innerhalb von wenigen Minuten an jeden Tag des vergangenen Monats eine Zahl eintrug, die ihm gerade in den Sinn kam und die den Tagesumsatz darstellen sollte, bekam ich vom Meidlinger Wirt überhaupt keine Umsatzzahlen. Er meinte nur, ich wüsste ohnehin, wieviel er täglich umsetzt und ich soll halt nicht zu viel buchen.

Als dann irgendwann die Promillegrenze für Verkehrsteilnehmer von 0,8 auf 0,5 herabgesetzt wurde, gab es bei den Wirten einen Aufschrei. Sie befürchteten den apokalyptischen Geschäftseinbruch, der aber selbstverständlich nicht kam. Alkoholiker lassen sich von Promillegrenzen doch nicht abschrecken. Aber viele schlaue Wirte – und mein Meidlinger zählte auch dazu – nutzten die Gunst der Stunde und warfen die Einkaufsrechnungen für Bier und Wein teilweise weg oder kauften die Getränke schwarz ein. Gewinnmaximierung war angesagt.

Die Steuerfahnder waren aber nicht blöd. Sie kontrollierten zuerst die Brauereien und gingen mit den dort sichergestellten Kundenkonten zu den Wirten und suchten dort – oft vergebens - die entsprechenden Rechnungen. Als dann die Vorschreibung der Strafzahlung kam, war das Wehklagen richtig groß.

Was ich mit dieser Geschichte sagen will? Nicht alle Wirte sind Verbrecher und notorische Steuerbetrüger. Ich hatte halt nur das Pech für zwei dieser Verbrecher kurzfristig zu arbeiten.

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