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Betrifft: Schnittlauch als Globetrotter
Sehr geehrte Damen und Herren!
Heute war ich im Merkur-Markt Handelskai 94-96 einkaufen. Auf
meinem Einkaufszettel stand unter anderem „Schnittlauch“. Ich
fand ihn auch auf Anhieb, was nicht selbstverständlich ist, da
besonders in der Obst- und Gemüseabteilung des Marktes die
Mitarbeiter und auch Innen sehr gerne und häufig die Ware umlagern.
Der tiefere Sinn dieser Aktionen blieb mir bis heute verborgen.
Wahrscheinlich laufen da interne Wetten, wie lange die Kunden die
Ware suchen.
Egal. Ich fand den Schnittlauch auf Anhieb und war glücklich.
Aber irgend etwas störte mich bei den einzeln, in Plastiktäschchen
verpackten Portionen. Das war alles ein bisschen zu perfekt. Ich nahm
ein Päckchen in die Hand und betrachtete den Inhalt. Jeder Halm war
makellos. Was war das? Hand verlesener Schnittlauch? Auf der
Rückseite, auf dem Preisschild kam dann die große Überraschung.
Unter Herkunftsland stand da „Kenia“. So frisch und makellos und
entspannt wie der Schnittlauch aussah, ist der sicher erster Klasse
geflogen.
Sofort musste ich an den ersten Satz auf der Merkur-Homepage auf
der Seite „Nachhaltigkeit“ denken. Da steht: „MERKUR,
Österreichs führender Verbrauchermarkt, trägt große Verantwortung
gegenüber Umwelt und Gesellschaft.
Sehr ernst scheint es der Konzernleitung mit Nachhaltigkeit und
Umweltschutz wohl nicht zu sein, wenn man Gemüse, das saisonal
bedingt nicht zur Verfügung steht, um den halben Globus karrt, um es
doch anbieten zu können. Die Frage, ob der Schnittlauch „fair-trade“
geerntet und eingekauft wurde, erübrigt sich sicher.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Schwingenschrot
Samstag, 23. Januar 2016
Donnerstag, 21. Januar 2016
Beruhigt
Zwei Stunden hat er gedauert, der
Asylgipfel. Die Crème de la Crème der österreichischen Politszene, vom
Bundeswerner über den Vizereinhold, der seinen Namen jetzt in Raushold umändern
lässt, bis zu seiner Majestät, Erwin der Gütige, Kaiser von Niederösterreich,
war alles vertreten, das der gemeinen Wählerschaft die Zornesröte ins Gesicht
treibt.
Aus den geforderten Obergrenzen bei
Asylwerbern wurden Richtwerte. Das klingt gleich viel besser. Ähnlich verhielt
es sich ja bei den „besonderen baulichen Maßnahmen“ in Spielfeld. Alle wussten,
dass damit ein Zaun gemeint war, es wurde auch ein Zaun errichtet, aber es
bleiben trotzdem „besondere bauliche Maßnahmen“. Weil wir sicher keine
Grenzzäune aufstellen. So was tun wir nicht.
Heuer liegt die magische Obergrenze bei
37.500 Asylwerbern. Unter Umständen könnte diese Denkweise mit der Genfer Flüchtlingskonvention
kollidieren. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hat da eine supergute Idee.
Sie meinte, Österreich könnte bei einer Überschreitung der Grenze – wahrscheinlich
meinte sie damit den Richtwert – nach schwedischem Vorbild Asyl-Anträge
annehmen, sie aber erst nach Jahren bearbeiten und die Asylwerber in dieser
Zeit in Lagern notversorgen. Dass internierte, zum Nichtstun verdammte Menschen
ohne Perspektive nicht gerade vor Lebensfreude und Optimismus überschäumen und
vielleicht aus diesem Grund auch eher dazu neigen, die hiesigen Gesetze zu
ignorieren, scheint der Ministerin nicht bewusst zu sein. Mit anderen Worten,
diese Idee ist selten dämlich.
OK. Nehmen wir einmal an, obwohl dieser
Fall sicher nie eintreten wird, dass die Obergrenze irgendwann im Herbst
erreicht ist. Was geschieht dann? Stehen dann an den relevanten Grenzübergängen
Schilder, wie man sie vor Tiefgaragen findet, wo das leuchtend grüne „FREI“
erlischt und ein grellrotes „BESETZT“ den Flüchtenden zeigt, dass sie umkehren
müssen?
Wird dann schnell eine Mauer (nach Berliner
Vorbild mit allen Extras) hochgezogen, um die Grenze dichtzumachen? Keine
Antworten. Und was würde unser oberster Grenz-, Werte- und Abendlandschützer in
diesem Fall tun? Außer blöd reden und hetzen. Mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit noch blöder reden und noch mehr hetzen.
Wie man unschwer erkennen kann, haben
unsere Volksvertreter das Problem absolut unter Kontrolle. Das beruhigt.
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Regierung
Donnerstag, 11. Juli 2013
Ein guter Anfang
ÖVP-Chef Michael Spindelegger spielt den starken schwarzen
Mann und lehnt einen Rücktritt von Justizministerin Beatrix Karl kategorisch
ab. Karl habe nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Jugendstrafvollzug
richtig reagiert und bereits alle notwendigen Schritte eingeleitet. Sie werde
diese Konsequenzen in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit präsentieren.
Spindis Tabletten wirken aber ziemlich lange. Oder hat der
Schlingel schon wieder welche eingeworfen. Wie sah sie aus, die richtige
Reaktion der Trixi? Sie stellte vor Journalisten fest, dass der
Jugendstrafvollzug kein Paradies ist. Da hat sie ja nicht unrecht. Eher selten
goutieren jugendliche Straftäter in Gefängnis harte Argumente zwischen den
Backen. Aber festzustellen, es handle sich um einen bedauernswerten Einzelfall,
obwohl die Besenstiel-Penetration offensichtlich zum „Business as usual“ zählt,
ist eine dreiste Lüge. Als weitere Vergewaltigungsfälle publik wurden, ging
Karl auf Tauchstation. Aber das war natürlich nicht, um lästigen
Journalistenfragen zu entgehen, sondern um die notwendigen Schritte
einzuleiten. Entweder hat sie in sämtlichen Gefängnissen des Landes die Besen
wegsperren lassen, oder werden hinkünftig mit dem Besen eine Tube Vaseline
ausgegeben. Denn, wer gut schmiert, kehrt gut.
Aber Rücktritt? Nein, das wäre dann doch zu viel. Warum
eigentlich? Sie hat doch nichts gemacht. In erster Linie hat sie NICHTS
gemacht. Sie hat uns gezeigt, dass sie eine zynische Ignorantin ist, die auch
lügen kann, wenn es gefordert ist. Aber deshalb gleich zurücktreten? Das machen
doch Fekter, Berlakovich und Mikl-Leitner pausenlos? Wenn das so ist, müsste
ein Großteil der Regierung zurücktreten.
Das wäre zumindest ein guter Anfang.
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Vergewaltigung
Mittwoch, 10. Juli 2013
Entfesslungskünstler und Zahlenakrobat
Je näher
die Nationalratswahl rückt, desto vertrottelter agieren und argumentieren
unsere Volksvertreter. Eigentlich ist das ein Grund, diese Koffer nicht zu
wählen. Von so etwas möchte ich mich bitte nicht vertreten lassen. Aber keine
Angst, auch wenn diese Witzfiguren gewählt werden, vertreten tun sie uns eh
nicht. Treten – ja. Vertreten – nein.
Spindelegger
möchte die Wirtschaft entfesseln. Wehe, wenn sie losgelassen, fällt mir dazu
nur ein. Das faktische Pensionsantrittsalter, das zurzeit durchschnittlich 58
Jahre beträgt, muss angehoben werden und die Weiber sollen auch erst mit 65
Jahren in Pension gehen. Und das am besten ab sofort. Dass die Frauen nach wie
vor wesentlich weniger Geld für den gleichen Job bekommen als Männer,
verschweigt der Entfesslungskünstler souverän. Das ist ja auch nicht so
wichtig.
Experten,
also keine Trottel, haben für die Schwarzen 700 Maßnahmen vorgeschlagen, wie
man den Staat wieder auf Vordermann bringt. Das soll, geht es nach Spindelegger,
bis 2025 ungesetzt werden und 420.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Na Bummm. Da
werden ja die Berater beim AMS arbeitslos. Ich weiß nicht, ob das so
verantwortungsvoll ist.
Natürlich
dürfen bei diesen Zahlenspielereien die Roten nicht fehlen. Infrastrukturministerin
Doris Bures kämpft ebenfalls wacker an der Jobfront. Durch entsprechende
Investitionen in die Forschung will sie jährlich 19.000 neue Arbeitsplätze
schaffen. Hochgerechnet zum von Spindelegger angepeilten Jahr 2025 macht das
228.000 Jobs. Das ist, auf den ersten Blick eher schwach, weil knapp die Hälfte
von Spindis Angebot. Andererseits muss man auch bedenken, dass die
Bures-Variante nur die Hälfte der AMS-Berater in die Arbeitslosigkeit treibt.
Falls es
den beiden Zahlenakrobaten hilft, ab Mai 2023 steht ihnen ein zusätzlicher
Arbeitsplatz zur Verfügung. Dann bin ich nämlich 65 und gehe in Pension.
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Montag, 8. Juli 2013
Saubere Sache
Nun macht das Land
Oberösterreich 500.000 Euro als Sonderbudget für Tourismuswerbung für besonders
vom Hochwasser betroffene Regionen locker. Vor allem die Donauregion, das
Salzkammergut und die Städte Linz, Schärding und Steyr sollen ins Rampenlicht
gerückt werden, wie Wirtschaftslandesrat Michael Strugl mitteilte. Der Slogan:
„Oberösterreich ist schöner als je zuvor“.
Kein Wunder, wurde
es doch gerade erst gründlich gewaschen.
Der Bremser-Michl
Zwei Monate wollte ich die Politik und ihre lächerlichen
Protagonisten ignorieren, vergessen, aus meinem Gedächtnis verbannen, was auch
immer. Es gelang nicht. Leider. Gerade jetzt, vor der Wahl drängen sie sich
einem auf wie abgetakelte Praterhuren, zu denen sich kein Freier mehr verirrt.
Wobei die nuttige Art von Michael Spindelegger nicht nur besonders widerlich
und dumm, sondern auch rekordverdächtig ist.
Da mutiert eine von den Roten geforderte Vermögenssteuer zur
„Faymann-Steuer“, welche von apokalyptischen Ausmaß scheint und vor der
Österreich gerettet werden muss. Gleichzeitig versucht sich Spindelegger als
besonnener, verantwortungsvoller Staatsmann. Er möchte eine gesetzlich
verankerte „Steuerbremse“. Nach der Schuldenbremse die Steuerbremse. ÖVP – die
Bremserpartei.
Und so soll es funktionieren. Mit der Steuerbremse soll gesetzlich
geregelt werden, dass die Abgabenquote 40 Prozent nicht übersteigen darf. Die
Abgabenquote umfasst sämtliche verpflichtenden Zahlungen wie beispielsweise die
Einkommensteuer, die Sozialversicherung, die Körperschaftssteuer oder die
Mineralölsteuer. Aha. Das bedeutet, wenn ein Leistungsträger ein 500-PS-Auto
fährt, das so viel Benzin säuft, dass es von der OPEC bei der Festlegung der Ölförderquote
berücksichtigt wird, zahlt er durch die Mineralölsteuer schon genug Abgaben,
dass sich das mindernd auf die Einkommensteuer auswirkt. Ja, das hätte er
gerne, der Spindelegger. Er ist auch ganz ernsthaft der Meinung, dass durch
diese Maßnahme die langfristige Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen und ein
gesunder Haushalt für künftige Generationen gesichert wären. Eine
Vermögenssteuer, wie sie von der SPÖ gefordert wird (ab einem Vermögen von
einer Million Euro), wäre fast ausschließlich eine erneute Belastung für den
Mittelstand.
Noch eine lustige Geschichte von den Schwarzen. Wie das „Profil“
herausfand, hat der dem Innenministerium unterstehende Wiener
Stadterweiterungsfonds zwei Liegenschaften in bester Innenstadtlage (Mölker
Bastei) um 15.000 Euro an den Sohn der ÖVP-Nationalratsabgeordneten Edeltraud
Lentsch verkauft. Wert laut Gutachten: 680.000 Euro. Verantwortliche
Innenministerin: Maria Fekter. Im Mai kritisierte der Rechnungshof, dass der
Fonds das Heumarktareal um 4,2 Millionen Euro verkauft habe, obwohl Interessenten
neun Millionen Euro geboten hatten.
Na ja, wahrscheinlich wollte man nicht allzu gierig erscheinen.
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Sonntag, 30. Juni 2013
Rekordverdächtig
Nach dem
beinahe schon rekordverdächtigen Auftritt der Justizministerin in der ZIB2
stellte der von mir sehr geschätzte Michael Hufnagl im KURIER fest: „Beatrix
Karl ist kein Einzelfall.“ Eh nicht. Die ÖVP beheimatet eine rekordverdächtige
Anzahl von ignoranten, inkompetenten und zynischen Arschlöchern. Vielleicht
wäre für die ein Josefstädter Besenstiel gar keine so schlechte Therapie.
Apropos
Schließmuskel. In Kärnten haben sich die korrupten Nazis mit den korrupten Nazis
vereint. Sie treten wieder unter einem gemeinsamen Namen auf – FPÖ. So mancher
Politiker machte da eine erstaunliche Metamorphose durch. Von der FPÖ zum BZÖ
zur FPK zur FPÖ. Auch das ist rekordverdächtig.
Abschließend
etwas – zumindest für mich – Erfreuliches. Nachdem das Jahr nun zur Neige geht
– als Vater eines schulpflichtigen Kindes verschiebt sich das Kalenderjahr geringfügig,
es dauert von September bis Juni, die Monate Juli und August sind quasi Silvester
– ziehe ich mich vom aktuellen Tagesgeschehen zurück, schließe meine Augen und
rede mir ein, dass ich das alles nur geträumt habe.
Und im
September – nein, so weit möchte ich jetzt gar nicht denken.
Schöne
Ferien allerseits!
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