Freitag, 28. Juni 2013

Martin Graf – von den Linken verfolgt.



Die gute Nachricht des Tages. Martin Graf, dritter Nationalratspräsident, Rechtsaußen im blaubraunen Sumpf und nebenberuflicher Pensionistenschreck, kandidiert nicht mehr bei der anstehenden Nationalratswahl. Wahrscheinlich hat er endlich geschnallt, dass es sich dabei um keine Nazionalratswahl handelt. Wenn er das früher gewusst hätte, wer weiß, vielleicht wäre uns eine ganze Menge Ungemach erspart geblieben.

Im FPÖ-TV, auch Braunfunk genannt, zeigte sich Graf davon überzeugt, dass alle gegen ihn laufenden Verfahren einstellungsreif seien. „Aber solange der Polit-Mob gegen mich reitet, wird das nicht passieren.“ Er fühlt sich von den Linken verfolgt und überhaupt sind alle böse zu ihm.

Jedenfalls kann er nun die wohlverdiente Politikerpension genießen und dabei seine Paranoia pflegen.


Donnerstag, 27. Juni 2013

Niko-Laus und die Bienen



Wie war das noch vor wenigen Wochen? Da saßen Michael Spindelegger und Niko-Laus Berlakovich vor versammelter Presse und meinten: „Im Zweifel sind wir für die Bienen.“ Und Berlakovich legte noch nach: „Ich kann mir vorstellen, das Verbot in Österreich früher umzusetzen oder es auf andere Kulturen zu erweitern.“ Gemeint war das Verbot von Neonicotinoiden, welche das Leben der Bienen nicht nur schwer sondern vor allem relativ kurz machen.

Alle waren sich einig. Wir brauchen die Bienen, Raiffeisen braucht Sumsi. Nun sollte das Verbot im Landwirtschaftsausschuss unter Dach und Fach gebracht werden – und siehe da -, die ÖVP machte plötzlich eine Kehrtwende. Nicht dass der Umfaller eine große Überraschung wäre, aber so kurz vor der Nationalratswahl beweist er doch, dass die Schwarzen nicht nur Lügner und Betrüger sondern auch hochgradige Vollidioten sind.

Geht es nach Jakob Auer, so wäre lediglich eine Einschränkung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, beispielsweise ein Verbot der Anwendung des Herbizids Glyphosat in öffentlichen Parks und Gärten, Sport- und Freizeitplätzen, Schulgeländen und Kinderspielplätzen sowie Gebieten in unmittelbarer Nähe von Einrichtungen des Gesundheitsweisens möglich. Und wenn den Bienen ihr Leben lieb ist, sollten sie sich gefälligst auch daran halten.

Am Nachmittag kam dann die Überraschungswende. Die Schwarzen nahmen wieder ihre Ausgangsposition ein (siehe 1. Absatz). Niemand weiß warum. Vielleicht wurde Berlakovich von einer Biene gestochen und er hat nun Angst vor einem Schwarm von Selbstmordattentätern. Natürlich könnte es auch sein, dass die Industrie ihren Sponsorenvertrag mit der ÖVP einseitig aufgekündigt hat.

Egal was es ist, damit haben sie wieder einmal ganz eindrucksvoll bewiesen, als Regierungspartei ungeeignet zu sein.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Guten Appetit!



Norwegischer Zuchtlachs ist gut, weil Fisch generell gut und gesund ist. Der norwegische Zuchtlachs ist außerdem Vegetarier. Das ist er aber nicht freiwillig. So wie ich. Ich, zum Beispiel bin temporärer Vegetarier. Immer, wenn mir meine Frau Marillenknödel statt Schnitzel vorsetzt. Beim norwegischen Zuchtlachs ist das geringfügig anders. Er bekommt pflanzliches Futter, vor allem aus Südamerika, weil dies billig ist.

Blöd ist halt nur, dass die Fische mit dem Futter auch jede Menge Endosulfan zu sich nehmen. Dieses Pestizid hat nicht nur auf Insekten eine toxische Wirkung sondern beeinflusst auch die Fortpflanzungsfähigkeit bei Menschen und die Entwicklung bei menschlichen Föten. Deshalb ist der Einsatz des Gifts in 80 Ländern der Welt verboten. Seit 2011 steht das Pestizid auf der Liste der Stockholmer Konvention. Damit tritt stufenweise ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot in Kraft.

Der EU-Kommission ist der Giftlachs relativ Blunzn, denn sie erhöhte den Grenzwert für Endosulfan in Zuchtlachsen auf das Zehnfache. Statt 0,005 Milligramm dürfen nun 0,05 Milligramm in einem Kilogramm Fisch enthalten sein. Und jetzt kommt die gute Nachricht. Mehr Inhaltsstoffe bedeuten nicht unbedingt einen höheren Preis. Norwegen, den größten Zuchtlachsexporteur der Welt, freut die edle Geste der EU. Die nationale Lebensmittelbehörde sprach in einer Aussendung davon, dass die Anhebung des Grenzwertes von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Zuchtindustrie ist.

Na dann, guten Appetit!

Dienstag, 25. Juni 2013

Hitzekoma



Michael Spindelegger, Leistungsträger der Nation, verkündete in der ORF-Pressestunde, für die Wiedereinführung der Aufnahmeprüfung ins Gymnasium zu sein. Eine tolle Idee. Zehnjährige sollen erst einmal beweisen, dass sie das Zeug zum Arzt, Kernphysiker oder korrupten Politiker haben. Bei Kindern von alteingesessenen – bezieht sich nicht auf etwaige Haftstrafen – ÖVP-Mitgliedern mit einem Mindestvermögen von einer Million Euro, kann von der Aufnahmeprüfung abgesehen werden.

In der SPÖ dachte man hingegen darüber nach, beim Donauinselfest fünf Euro Eintritt zu verlangen. Allerdings verwarf man diesen Plan gleich wieder. Die Ankündigung, dass diverse städtische Gebühren nächstes Jahr wieder erhöht werden, sollte man aber durchaus ernst nehmen. Was haben die Roten vor, drei Monate vor der Nationalratswahl? Haben sie ihre Seelenverwandtschaft zu Lemmingen entdeckt?

Und Verteidigungsminister Gerald Klug stellte fest: „Ich bin der Hammer.“ Dann darf er sich aber auch nicht wundern, wenn die Leute glauben, er hätte einen Klopfer.

Gott sei Dank. Die Temperatur ist gefallen. Vielleicht erwachen diverse Gehirne wieder aus dem Hitzekoma.


Montag, 24. Juni 2013

Ein Sommernachtsalbtraum



Es ist vollbracht. Ich habe das schlimmste Wochenende im Jahr halbwegs überstanden. Natürlich ist es toll, nur fünf Gehminuten von der Donauinsel entfernt zu wohnen. Meistens jedenfalls. Nur, wenn das Donauinselfest stattfindet, dann ist dieser Wohnort eher suboptimal.

Drei Nächte lang die nur unwesentlich variierende Geräuschkulisse. In der ersten Nachthälfte dreht der Hubschrauber des Innenministeriums seine Runden, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Danach, endlich sind die Kiberer gelandet, abgestürzt oder was auch immer, kommt der Auftritt der Besoffenen, die lautstark durch die Stromstraße ziehen. Das dauert dann schon bis vier Uhr. Dann geht die Sonne auf, die Vögel beginnen zu zwitschern, ein neuer Tag bricht an, dem Geräusch nach erbricht ein Besoffener vor meiner Wohnung und ich – ich fühle mich tot.

Die Samstagnacht hatte allerdings eine besondere Showeinlage parat. Irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen versuchte ein offensichtlich geistesgestörter, schwanzgesteuerter Autofahrer Frauen zu imponieren. Er fuhr in einem Höllentempo durch die Stromstraße und legte schräg gegenüber eine Vollbremsung hin. Autotüren knallten, Frauen kicherten. Der Wagen beschleunigte wieder, als wäre der Teufel hinter ihm her. Ruhe – etwa zwei Minuten. Dann ging das Spektakel von vorne los.

Ich ging auf den Balkon und wartete. Es dauerte nicht lange, und der Vollidiot bremste sich wieder schräg vis-a-vis ein. Vom fünften Stock hatte ich direkten Blickkontakt zum Zielobjekt. Ich holte aus und warf. Das Kaffeehäferl flog trotz aerodynamisch ungünstiger Abmessungen exakt in der vorausberechneten Flugbahn und knallte auf das Autodach. BINGO! Nach ein paar Sekunden folgte ein kurzer aber heftiger Fluchmonolog des Autofahrers, der die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht mehr verstand.

Dann heulte der Motor wieder auf und mit quietschenden Reifen verschwand der Störenfried. Zufrieden, mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, begab ich mich wieder zu Bett.


Sonntag, 23. Juni 2013

Es ist Zeit für einen Kanzlerwechsel!



Die ÖVP leidet am akuten Wahlkampffieber. Hoffentlich bleibt da nichts zurück. Vielleicht könnte ein Arzt helfen, aber medizinische Hilfe wird hartnäckig verweigert.

Beim FCG-Bundestag hatten Johanna Mikl-Leitner in ihrer Funktion als ÖAAB-Herrin und Michael Spindelegger als Außenvicewasauchimmer ihre großen Auftritte. „Es ist Zeit für einen Kanzlerwechsel“, stellte Mikl-Leitner fest und ich muss ihr da – obwohl es mir widerstrebt – beipflichten. Spindelegger stellte eine Frage und beantwortete sie auch gleich selbst. In Richtung Faymann fragte er: „Ist das wirklich ein Bundeskanzler für das Land?“ Und nach einer nervenzerfetzenden Pause von ein paar Sekunden folgte: „Nein!“

Verdammt! Auch Spindelegger muss ich zustimmen. Er hat recht! Ein Kanzler, der die Wahrheit vertuscht, und Korruptionsvorwürfe einfach unter den Teppich kehrt mag als Bundeskanzler einer kleinen Bananenrepublik durchgehen, aber nicht bei uns.

OK. Es ist Zeit für einen Kanzlerwechsel und Faymann ist zu vergessen. So weit, so schlecht. Aber wer soll denn nun das Land der Berge, Seen und abgehalfterten, korrupten Ex-Politiker samt Freunden regieren und wieder eine gewisse Normalität ins politische Leben bringen? Ja, für diese Frage gilt der Publikumsjoker am 29. September.

Michael Spindelegger will also Bundeskasperl werden. Der Vize reicht ihm offensichtlich nicht. Was prädestiniert ihn für diesen Job? Als Lakai des ehemaligen Verteidigungsministers Robert Lichal war er in den Oerlikon-Skandal involviert, wo es um illegale Parteienfinanzierung ging. Spindelegger hat also eine gewisse Korruptionskompetenz. Und jetzt, als Außenminister und Vizekanzler umgibt er sich von einer Riege der Unfähigen. Fekter, Mikl-Leitner, Berkakovich, und wie sie alle heißen, sind ein Garant dafür, dass der politische Stillstand auch ausnahmslos eingehalten wird. Fritz Neugebauer ist der Fels – nein, nicht in der Brandung – mitten auf der Autobahn, der den Verkehr zum Erliegen bringt und den niemand bereit ist wegzusprengen.

In Wahrheit haben wir im Herbst die Wahl zwischen zwei viertklassigen, unfähigen, unehrlichen Vollkoffern, die sich mit ebensolchen geistigen Nieten umgeben. Danke. In dem Fall wähle ich am 29. September dann doch lieber einen Schweinsbraten mit Kraut und Knödel – beim Wirt meines Vertrauens.